Geschichtstag

Geschichtstage an der Realschule am Oberen Schloss – Fahrt nach Verdun (Artikel Siegerlandkurier)
Schüler setzen sich mit dem zweiten Weltkrieg auseinander – Erfahrungen in Aufsätze gefasst

(SK) )“Die Kälte und tropfende Nässe in den Gängen unterstrich noch das Gefühl der Anwesenheit von verstorbenen Soldaten. Wir erfuhren von unserer Reiseleiterin, dass ca. 650 junge Soldaten in Nebenraum hinter der Wand beerdigt wurden, nachdem sie durch Explosion im Fort getötet worden waren – eine für uns alle beklemmende Vorstellung, so nahe mit den verstorbenen Soldaten verbunden zu sein“.

So schilderten Michaela und Daniel, zwei Schüler der 10. Klasse an der Realschule Am Oberen Schloss, in einem Aufsatz ihre Eindrücke vom Besuch der unterirdischen Befestigungsanlage Fort Douaumont. Sie besichtigten das Fort im Rahmen einer Unterrichtsfahrt nach Verdun, einem der wichtigsten Schauplätze des ersten Weltkriegs.

Die Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus und die beiden Weltkriege sind die wichtigsten Themenbereiche im Geschichtsunterricht der Oberstufe an der Realschule. Immer wieder wird den Geschichtslehrern dabei deutlich, dass die heutige Schülergeneration den Problemkreis Krieg und Gewalt immer schlechter verstehen und verarbeiten kann.

Film, Fernsehen und Computerspiele lassen bei vielen Schülern Einstellungen stehen, die von einer realistischen Beurteilung von Krieg und Verfolgung weit entfernt sind

Mit den beiden kürzlich in den Klassen 10 der Realschule Am Oberen Schloss durchgeführten „Geschichtstagen“ sollte deshalb nicht nur die Geschichte den Schülern, sondern auch die Schüler der Geschichte nahe gebracht werden. Unterrichtsfahrten nach Verdun, zum ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald und ein Unterrichtsgang durch Siegen standen im Mittelpunkt des Projektes. Die Schüler der vier Klassen konnten sich für eines der drei Themen entscheiden.

Nachdem am ersten Tag eine intensive theoretische Vorbereitung stattgefunden hatte, starteten am Morgen schon in aller Frühe zwei Busse in Richtung Thüringen und Frankreich, etwas später begann die dritte Projektgruppe den Rundgang durch Siegen. Geschichtsunterricht vor Ort stand an diesem zweiten Projekttag auf dem Programm.

Sachkundige Betreuer führten die Schülergruppen über das Schlachtfeld beziehungsweise durch das ehemalige KZ, die Siegener Gruppe wurde von einem Geschichtslehrer der Schule geführt.

Dieser letzteren Gruppe wurde auf dem Rundgang deutlich, dass sich Kriege und Gewalt im 20. Jahrhundert nicht irgendwo weit weg, sondern auch in ihrer Stadt abspielten, auch an Orten, an denen sie jeden Tag vorbeikommen. Im Aktiven Museum am Obergraben wurde ihnen die Geschichte der Siegener Juden nahe gebracht, an deren Abtransport in die Todeslager eine eher unscheinbare Tafel am Bahnhof erinnert.

Einen starken Eindruck hinterließ auch das große Gräberfeld der in Siegen umgekommenen Zwangsarbeiter auf dem Hermelsbacher Friedhof. „Wenn schon so viele sterben mussten, sollten die wenigen Überlebenden nun wirklich bald eine finanzielle Entschädigung bekommen“, so der Kommentar eines Schülers.

Beklommenheit, Entsetzen und Abscheu empfanden die Schüler im ehemaligen Arbeitslager Buchenwald. So schreibt ein Schüler in seiner Nachbesinnung vom „…Karachoweg, über den die Häftlinge ins Lager gehetzt wurden. War jemand nicht schnell genug, wurde er von den Hunden, die von den Wächtern auf sie gehetzt wurden, getötet.“ Unglaublich findet er, dass die SS-Leute am Rande des Lagers einen kleinen Zoo hatten, in dem sie Tiere verhätschelten, während sich gleichzeitig Häftlinge in unmenschlicher Weise quälten.

Als Verhöhnung und Missachtung der Menschen im Lager empfindet er den am Lagertor angebrachten Spruch: „Jedem das Seine“.

Geschichte erfahrbar und spürbar zu machen, es scheint mit dieser Art von Geschichtsunterricht gelungen zu sein.